Profilklasse Lupe

Lupe

Lernen – unterstützen – probieren – erproben

Schule

Die Lehrkräfte an der GHS Herbertskaul in Frechen sind häufig damit konfrontiert, dass verhaltensauffällige Schüler_innen im Klassenverband nur unzureichend gefördert werden können bzw. gravierende Verhaltensauffälligkeiten zeigen, die im Regelunterricht nicht aufzufangen und zu bearbeiten sind. Eine individuelle emotional-soziale Verhaltensförderung dieser Schüler_innen ist im Klassenverband aus verschiedenen Gründen nur schwer möglich. Grundlegende Lerninhalte können deshalb oft für die gesamte Klasse nicht mehr angemessen bearbeitet werden.

Zielgruppe

Im Unterricht sind die Schüler_innen häufig Situationen ausgesetzt, in denen sie aufgrund weitgehend fehlender Kompetenzen im Sozialverhalten und teilweise kaum entwickelter Gruppenfähigkeit mit drastischen Überforderungssymptomen reagieren. Sie signalisieren ihren Mehrbedarf an Zuwendung, Erziehung und Schulung sozialer Kompetenzen durch Überschreitung gesetzter Grenzen, Missachtung sozialer Regeln und Normen, aktive und passive Verweigerung des Unterrichts, sowie Leistungsversagen. Bei der Entwicklung und Verfestigung von Verhaltensauffälligkeiten und bei Interaktionsproblemen in der Schule spielen auch unkontrollierte Verstärkungsprozesse eine entscheidende Rolle. In manchen Fällen von Belastung und Überforderung ist eine temporäre räumliche Distanz von den belastenden Zusammenhängen in der schulischen Gruppe hilfreich. Für Kinder mit generellen und massiven Lern- und Wahrnehmungsschwierigkeiten bietet die Teilnahme am Projekt eine Möglichkeit grundsätzliche, darunterliegende Probleme aufzuarbeiten bzw. ihnen präventiv und ganzheitlich entgegenzuwirken.

Projektzugang

Die „ Lupe“ bezeichnet eine Lerngruppe für maximal sechs Schüler_innen, die von einem Pädagogischen Team geleitet wird. Ziel des zeitweiligen Angebotes ist die Verbesserung der schulischen Perspektiven der Kinder und ihre Reintegration in die Regelklasse. Die so genannte Beratungsrunde, die sich aus Beratungslehrern_innen, Sonderpädagog_innen, Schulsozialarbeit und der der Schulleitung besteht, benennt zusammen mit den jeweiligen Klassenteams Schüler_innen für das Gruppenangebot. Der temporäre Aspekt gilt dabei als Grundsatz. Die Schüler_innen bleiben für sechs Monate im Projekt. Gegebenenfalls muss in schwerwiegenden Fällen ein besonderer sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt werden. Generell erhalten alle Kinder mit besonderen Lernbedürfnissen eine individuelle Förderung.

Durchführung

Die Kernarbeit der „ Lupe“ liegt im täglich stattfindenden Gruppenangebot, das eine individuelle Förderung der Teilnehmer_innen miteinschließt. Weitere wichtige Grundlagen des Projektes sind die Elternarbeit (Familienunterstützung) und eine ausdifferenzierte Netzwerkarbeit. Die Arbeit in der Gruppe findet fünfmal wöchentlich für zwei Unterrichtsstunden statt. Die Stunden liegen jeden Tag parallel zur dritten und vierten Unterrichtsstunde. Die Teilnehmer_innen bleiben in den anderen Unterrichtsstunden im Klassenverband.

 

Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag
1    8:15

9:15

Klassenverband Klassenverband Klassenverband Klassenverband Klassenverband
2    9:15

10:15

Klassenverband Klassenverband Klassenverband Klassenverband Klassenverband
Pause
3   10:45

11:45

Lupe Lupe Lupe Lupe Lupe
4   11:45

12:45

Lupe Lupe Lupe Lupe Lupe
Pause
6   13:45

14:30

Kurzbeschulung Kurzbeschulung Kurzbeschulung
7   14:30

15:15

 

Grundlagen – Ziele und Methoden

 

  1. a) Gruppenangebot Schwerpunkte bei der Umsetzung der „ Lupe“ liegen im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung. Auf dieser Grundlage gliedert sich die Zielsetzung für die Schüler_innen in drei Stufen:

– auf die Umwelt mit Erfolg reagieren

– Fähigkeit zur erfolgreichen Gruppenteilnahme

– sich in Gruppenprozesse einbringen.

Dank der überschaubaren Gruppengröße erfahren die teilnehmenden Kinder ein besonders hohes Maß an Aufmerksamkeit und Akzeptanz. Da in der Gruppe auch der Umgang mit schulischen Anforderungen intensiv geübt wird, gewinnen sie mehr Sicherheit für den Regelunterricht.

Die Schüler_innen erhalten dieselben Arbeitsaufträge und Aufgaben aus dem Klassenverband durch den jeweiligen Fachlehrer. Es werden auch digitale Endgeräte und Lernprogramme für den individuellen Einsatz zu Verfügung stehen. Die Leistungsüberprüfungen ( Klassenarbeiten, Test) werden regulär im Klassenverband durchgeführt.

In der  „Lupe“ geht es um die Schaffung von Grundlagen für das Lernen, um die Vermittlung und Stärkung grundlegender Sozialkompetenzen, um handlungsorientiertes Erlernen der Gruppenfähigkeit, um Lernstrategien und Zielorientierung, um Spaß und Motivation, um Vertrauen in eigenes Können. Diese können in einem geschützten Raum, mit einer festen Gruppe erprobt werden. Die „ Lupe“   ist ein Ort der Wärme und Erholung, ein Ort an dem die Kräfte für die weitere Reise wieder aufgetankt werden können. Durch den Umfang und die Regelmäßigkeit des Projektes können sich die Lehrkräfte der eigenen Regelklasse wieder intensiver zuwenden. Der Verfestigung konfrontativer Wahrnehmungen zwischen Schüler_innen und Lehrer_innen wird so entgegengewirkt.

 

  1. b) Individuelle Förderung

Zu dem täglich stattfindenden Gruppenangebot gehört auch die flexible, individuelle Förderung der Teilnehmer_innen. Diese findet beispielsweise auch in den täglichen Unterrichtspausen der Kinder statt Des Weiteren können die Schüler_innen auch einzeln, in Absprache mit den Lehrer_innen, die „Lupe“  besuchen oder einer der beiden Pädagogen_innen begleitet die Kinder mit in ihre Klasse und ermöglicht so eine intensive Einzelarbeit.

Inhaltlich stehen folgende Ziele des Gruppenangebotes und der individuellen Förderung im Mittelpunkt:

 

– Schulische Förderung, Erarbeitung des Lernstoffes gleich des

Klassenverbandes.

– Steigerung der Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit

– Verbesserte Selbst- und Fremdwahrnehmung

– Aufbau von sozialen Kontakten

– Entwicklung kommunikativer Kompetenz

– Bildung von (verbessertem) Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl

– Selbststeuerung im Umgang mit Gefühlen und Impulsen

– Aufbau einer Frustrationstoleranz

– Erlernen von Konfliktlösungsstrategien

 

  1. c) Familienunterstützung

Da das Projekt in der Schule, während der Unterrichtszeiten, stattfindet, ist ein weiterer wichtiger Bestandteil des Projektes die Elternarbeit. In Form von aufsuchender Elternarbeit ist ein Informationsaustausch zwischen durchführenden Pädagogen_innen und Eltern gewährleistet. Mögliche häusliche oder auch andere Probleme können auf diesem Wege ebenfalls mit berücksichtig und eine Unterstützung bei der Bearbeitung geboten werden. Die Eltern haben die Möglichkeit, ihre Kinder aktiv mit in der „ Lupe“  zu begleiten. Sie wissen worum es sich bei dem Projekt handelt, warum ihr Kind daran teilnimmt und wie der tägliche Ablauf ist. Die Sensibilisierung der Eltern für die Bedürfnisse ihrer Kinder wird gefördert und eine Verbesserung der Kommunikation zwischen Schule und Eltern soll hergestellt werden. Dies wird in Schriftform dokumentiert.

 

Netzwerkarbeit

Netzwerkarbeit ist ein grundlegender Bestandteil der täglichen Arbeit. Es findet ein ständiger Austausch mit den Klassenteams der teilnehmenden Schüler_innen statt. Diese setzten sich in der Regel aus Klassenlehrer_in, Sonderpädagogen_innen, Erzieher_innen und Fachleh